09. Juni
Szenische Lesung
mit Rosa Yassin Hassan
10. JuniKochen mit Azad Kour
26. April 2021
08. JuniFilm: „Für Sama”
28. April 2021

09. Juni um 19 Uhr

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„Wir tragen den Schrecken in uns“
– Texte von Rosa Yassin Hassan
Szenische Lesung aus Essays und literarischen Texten über Exil und Erinnerung mit Rosa Yassin Hassan, Astrid Kramer und Hans Heller

In dem Essay „Mein Name ist Flüchtling“ begibt sich Rosa Yassin Hassan in einen Dialog mit der Philosophin Hannah Arendt, die 1933 vor den Nazis aus Deutschland fliehen musste. Rosa Yassin Hassan wehrt sich dagegen, „Flüchtling“ zu sein, aber das „Flüchtling-Sein“ nimmt von ihr Besitz, wird Teil ihrer Identität. Als Flüchtling wird der Mensch zum Objekt des Krieges, abhängig von der wohlwollenden und zugleich demütigenden Hilfe von Anderen, beraubt all der Dinge – selbst der unangenehmen – die das Sein bestimmt haben: der Gerüche, der Hoffnungen, der Freunde, der Sprache und mit ihr der Art des Denkens, des Kompasses, der dem Leben Richtung gibt. Und trotzdem kann man im Exil den Erinnerungen nicht entrinnen. Exil ist nicht nur ein Ort, sondern auch der Verlust der Träume, die die syrische Revolution hervorgebracht hat und die im Krieg verloren gegangen sind. Die Hoffnung ist der Müdigkeit gewichen, „denn wir sind Zeugen geworden von Dingen, die unerträglicher sind als der Tod.“
Aber es gibt auch eine positive Seite des Exils, so Rosa Yassin Hassan, nämlich, „dass man vor dem Spiegel steht und alles, was man vorher wusste, neu kennenlernt; dass man alle vorgefertigten Urteile, mit denen man aufwuchs, ablegt, um neue Betrachtungsweisen zu entwickeln.“

Rosa Yassin Hassan wurde 1974 in Damaskus geboren. Von Beruf ist sie Architektin, begann aber in den 1990er Jahren Kurzgeschichten und Romane zu schreiben. In ihrer syrischen Heimat kämpfte sie für Frauenrechte und gründete den Verein Frauen für Demokratie. Ihre Romane, in denen sie sich mit Tabu-Themen wie politischer Verfolgung von Oppositionellen, der Situation von Minderheiten, Religion und Sexualität auseinandersetzte, durften in Syrien nicht erscheinen und wurden deswegen im Libanon aufgelegt. 2012 gelang ihr gemeinsam mit ihrem Sohn und mit Unterstützung der Heinrich-Böll-Stiftung die Flucht nach Deutschland. Sie lebt heute in Hamburg.

in Kooperation mit den Bücherfrauen